Am 28. Juni 2025 fand im Grand Hotel Villa Castagnola in Lugano die 100. Generalversammlung der AVIA Luftwaffe in einem würdigen sowie kameradschaftlichen Rahmen statt. Im Anschluss folgten zwei spannende Vorträge. Oberst i Gst Michele Moor, Präsident der Schweizer Offiziersgesellschaft, zeigte die Herausforderungen der Schweizer Armee auf. Brigadier Christian Oppliger, Kdt Stv der Luftwaffe, präsentierte den Anwesenden einen Rückblick sowie Ausblick über die Aktivitäten & Herausforderungen der Schweizer Luftwaffe.
Die Mitglieder der AVIA Luftwaffe sowie die Gäste wurden am frühen Samstagmorgen im Grand Hotel Villa Castagnola in Lugano zu einem reichhaltigen Frühstücksbuffet empfangen. Anwesend waren 41 stimmberechtige Mitglieder. Um 10.30 Uhr begann die GV mit der Begrüssung durch den Präsidenten der AVIA, Oberst Jorge Pardo.
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| Das Eintreffen der Gäste | Der Tätigkeitsbericht von Oberst Jorge Pardo | Wortmeldung von Siegfried Lamprecht |
Tätigkeitsbericht
Im Anschluss folgte der Tätigkeitsbericht für das Jahr 2024 durch den Präsidenten der AVIA. Erwähnt wurde unter anderem…
- … die wichtige Zusammenarbeit mit nationalen & internationalen Partnern der Armee. Besonders mit der European Partnership of Air Force Associations (EPAA) wird durch den verantwortlichen Vertreter aus dem Zentralvorstand (ZV), Oberstlt Rolf Laager, ein enger Kontakt gepflegt. Zu Gast war der Deutsche Vertreter in der EPAA, Siegfried Lamprecht, welcher in einer kurzen Wortmeldung das Engagement der Schweizer Armee und Politik zu Gunsten der Sicherheit in Europa würdigte;
- … das Engagement des Chefs Mitgliederwerbung der AVIA, Oberst Philipp Waldis, für die Gewinnung neuer Mitglieder. Jährlich sind Vertreter der AVIA zu Besuch beim TLG Luftwaffe und begrüssen die Aspiranten beim Einmarsch des 100 km Marsches am Ende der LW OS. Die AVIA offeriert jeweils ein Apéro oder Mittagessen und sucht das Gespräch mit den (zukünftigen) Offizieren. Durch das Engagement von Oberst Philipp Waldis können fast 50% der angehenden Luftwaffenoffiziere als Mitglieder der AVIA gewonnen werden;
- … die umfangreiche Arbeit des Kommunikationsteams, welches sich darum bemüht, sachliche Informationen und die Faszination für die Luftfahrt zu verbreiten.
Abstimmungen
Aufgrund einer Differenz zwischen dem Revisorenbericht und der Erfolgsrechnung, gab es bezüglich der Jahresbilanz eine Wortmeldung. Weil die Rechnungsrevisoren nicht anwesend waren, wurde im Protokoll festgehalten, dass die Unstimmigkeiten bis zur nächsten GV geklärt und erläutert werden.
Die Jahresbilanz sowie das Budget wurden trotzdem einstimmig mit wenigen Enthaltungen genehmigt. Auch die Zentralvorstandsmitglieder wurden ohne Gegenstimmen wiedergewählt. Der ZV bedankt sich bei den Mitgliedern für das entgegengebrachte Vertrauen.
Varia
Divisionär a.D. Peter Regli äusserte seine Besorgnis über den NATO-Gipfel der vergangenen Woche. Aus seiner Sicht spielte die Ukraine in den Beratungen kaum noch eine Rolle. Er forderte die Mitglieder der AVIA sowie alle Anwesenden dazu auf, sich bewusst zu machen, dass die Ukraine nicht nur für sich selbst, sondern für ganz Europa kämpfe.
Bereits 2014 habe die Schweizer Politik erkannt, dass die Sicherheitslage in Europa ins Wanken geraten sei und dass die Schweizer Armee wieder gestärkt und aufgerüstet werden müsse. Damals sei die Einschätzung gewesen, dass es zehn Jahre dauern würde, bis die Armee ihre alte Stärke zurückerlangt. Diese Frist sei nun abgelaufen, doch die Armee kämpfe noch immer darum, wenigstens 1 % des Bruttoinlandprodukts zu erhalten, um dringend notwendige Beschaffungen finanzieren zu können.
Ein aktueller Höhepunkt der anhaltenden Diskussion über die Finanzierung der Schweizer Armee sei laut Regli die erneut aufflammende Debatte rund um die möglicherweise teurere Beschaffung des F-35. Regli betonte, dass es hier keinen Diskussionsspielraum gebe: Es existiere keine Alternative und die Beschaffung sei für die Sicherheit der Schweiz zwingend notwendig.
Regli appellierte an die Mitglieder der AVIA Luftwaffe sowie an alle Anwesenden, sich aktiv für die Armee einzusetzen und deren Bedeutung in der Bevölkerung zu verankern.
Die AVIA nimmt diese Wortmeldung ernst und setzt sich dafür ein, das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer gut ausgerüsteten Armee in der Gesellschaft zu stärken.

Die Militärattachés von Österreich und Frankreich sowie Oberst i Gst Michele Moor und Divisionär a.D. Peter Regli (von links nach rechts) als Ehrengäste an der GV der AVIA.
Referate
Oberst i Gst Michele Moor begann sein Referat nach einer Danksagung mit den Herausforderungen in der Umsetzung der sicherheitspolitischen Strategie der Schweiz. Aufgrund der Schuldenbremse, von der besonders die Armee betroffen sei, könne diese nur schleppend weiterentwickelt werden. Weiter ging Moor auf folgende Themen ein:
- Das Milizsystem bilde das Rückgrat der Schweizer Verteidigung. Es stehe für Eigenverantwortung, Bürgernähe und den gemeinsamen Willen, Sicherheit und Freiheit zu verteidigen. Allerdings werde die Rekrutierung zunehmend schwieriger, das System sei faktisch freiwillig geworden. Eine Reform der Dienstpflicht sei daher unumgänglich, um Attraktivität, Effizienz und die Anerkennung des Dienstes im Berufsleben zu verbessern. Die Ablehnung der entsprechenden Revision durch den Bundesrat im Jahr 2025 sende hier ein falsches Signal.
- Auch bei der Armeefinanzierung brauche es dringend neue Ansätze. Zwar sei das Budget auf 5,7 Milliarden Franken erhöht worden, doch reiche dies nicht für eine glaubwürdige Verteidigung, solange Mittel weiterhin nach politischen Opportunitäten statt nach Bedrohungsanalysen verteilt würden. Besonders unter der Schuldenbremse leide die Armee, was die Umsetzung der sicherheitspolitischen Strategie erschwere und ihre Weiterentwicklung nur schleppend ermögliche.
- Moor unterstrich auch die Bedeutung eines modernen Luftschirmes: Der F-35 als einziges Kampfflugzeug der fünften Generation sei für die Schweiz alternativlos. Verzögerungen oder ein europäischer Ersatz wären weder zeitgerecht noch bezahlbar.
- Neutralität bedeute für ihn aktives politisches und militärisches Handeln und schliesse eine verstärkte Kooperation mit europäischen Partnern nicht aus. Kooperation sei ein Ausdruck verantwortungsvoller Solidarität. Entscheidend sei, dass die Schweiz militärisch so aufgestellt sei, dass sie kein Sicherheitsvakuum in der Mitte Europas darstelle. Die Rüstungsindustrie sei dabei entscheidend, könne aber mit der jetzigen Gesetzgebung kaum überleben – es sei auch in diesem Fall dringend notwendig, die Prioritäten neu zu setzen.
- Interoperabilität, wie sie in internationalen Übungen wie TRIAS 25 in Österreich trainiert wird, sei unverzichtbar, dürfe aber kein Selbstzweck sein: Sie müsse auf Gegenseitigkeit und vergleichbarer Verteidigungsbereitschaft beruhen.
Abschliessend betonte Moor, dass die Herausforderungen komplex, dynamisch und oft unvorhersehbar seien. Gerade deshalb brauche es Klarheit, Entschlossenheit und Weitblick. Die SOG werde sicherheitspolitische Entwicklungen weiterhin aufmerksam, kritisch und konstruktiv begleiten – im Interesse einer starken, glaubwürdigen und eigenständigen Schweizer Verteidigung.
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Oberst Jorge Pardo (links) und Oberst i Gst Michele Moor (rechts) und Brigadier Christian «Ernesto» Oppliger (rechts) |
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Auf das Referat von Oberst i Gst Michele Moor folgte der Vortrag von Brigadier Christian «Ernesto» Oppliger, Kdt Stv der Schweizer Luftwaffe. Ernesto zeigte darin die strategischen, finanziellen und technologischen Rahmenbedingungen auf, welche die Luftwaffe in den kommenden Jahren prägen werden. Die weltweite sicherheitspolitische Lage, durch eine verschärfte Grossmachtrivalität, stellt die Schweiz vor neue Bedrohungen und erhöht den Druck, Interoperabilität und Kooperation mit Partnern zu stärken, ohne dabei die Neutralität aufzugeben. Übungen wie SIFEX und FIRE BLADE, die in den vergangenen Wochen stattgefunden haben, bringen dabei wertvollen Know-how-Gewinn für die Schweizer Luftwaffe. Bei SIFEX konnten die Jetpiloten gemeinsam mit Italien, Österreich und den USA ihre Fähigkeiten erweitern, während FIRE BLADE eine Helikopterübung im ungarischen Helicopter Training Center darstellte.
Brigadier Christian Oppliger unterstrich, dass Multidomain-Operationen künftig die Norm sein werden und dass die Schweiz ihre Fähigkeiten im Verbund mit europäischen Staaten weiterentwickeln muss, auch um bei hybriden und hochdynamischen Bedrohungen bestehen zu können.
Zudem führte er aus, dass die Schuldenbremse strukturelle Defizite verschärfe und die Weiterentwicklung der Armee spürbar bremse. Die Dienstpflicht müsse dringend reformiert werden, um das Milizsystem langfristig zu sichern. Zwar könne die Armee einen jährlichen Abgang von bis zu 2000 Angehörigen der Armee verkraften, aktuell verliere sie jedoch rund 4000 AdA pro Jahr – ein kritischer Rückgang, der die Einsatzfähigkeit nachhaltig gefährde.
Gerade bei der Luftwaffe sei eine Transformation aufgrund der schnelllebigen technischen Fortschritte entscheidend: Die vorgestellte Roadmap «Transitum» beschreibt, wie die Luftwaffe bis 2032 über Reorganisation, Fähigkeitsentwicklung und Aufwuchs ihre Einsatzbereitschaft zukunftsfähig gestalten will.

Die Beschaffungsprojekte der Schweizer Luftwaffe bis 2034, © Schweizer Luftwaffe
Besonderes Gewicht legte Ernesto auf die Beschaffung des F-35A. Er bezeichnete den Erwerb als alternativlos, da es das einzige Kampfflugzeug der fünften Generation sei, dass die Schweiz zeitgerecht beschaffen könne. Verzögerungen oder ein europäisches Alternativprojekt wären sicherheitspolitisch nicht verantwortbar. Die F-35 ermögliche nicht nur autonome Einsatzfähigkeit, sondern garantiere auch Interoperabilität innerhalb Europas bei minimaler Abhängigkeit.
Die AVIA bedankt sich bei den beiden Referenten für ihre sehr spannenden und informativen Vorträge.
Wie Sie, geschätzte Leserschaft, aus den Zusammenfassungen der beiden Vorträge sowie aus der Wortmeldung von Brigadier a.D. Regli entnehmen können, beschäftigen die Offiziere der Schweizer Armee, unabhängig von ihrer Funktion, dieselben Themen. Es handelt sich dabei keineswegs um «Veloständerprobleme», sondern um Fragen, die erheblichen Einfluss auf die Zukunft der Schweizer Armee und damit auf die Sicherheit der Bevölkerung haben. Die Situation ist kritisch und verlangt dringend entschlossenes Handeln der Politik. Den Politikerinnen und Politikern muss bewusstwerden, dass die Friedenszeiten in Europa vorbei sind und die Bedrohungslage real ist.

Die globale Sicherheitslage 2024, © MND/ DPSA 2024
Im Namen der gesamten AVIA möchten wir dem Grand Hotel Villa Castagnola unseren herzlichen Dank aussprechen. Solche Anlässe werden im Hause Villa Castagnola nur selten ermöglicht, umso mehr wissen wir die aussergewöhnliche Gastfreundschaft, die atemberaubende Location sowie das zuvorkommende und hochprofessionelle Personal zu schätzen. Auch das kulinarische Angebot hat uns in jeder Hinsicht begeistert. Wir danken Ihnen herzlich für diese unvergessliche Gelegenheit und die wertvolle Unterstützung unseres Anlasses.
Ein weiterer Dank geht an unsere grosszügigen Sponsoren, welche die Durchführung dieses Anlasses überhaupt erst ermöglicht haben sowie Gerry Hofstetter, der mit seiner eindrücklichen Light Performance für ein unvergessliches Erlebnis gesorgt hat. Ebenso danken wir Oberstlt a.D. Daniel Ruhier, der uns mit spannenden historischen Einblicken zur Geschichte der AVIA bereichert hat.

Einblick in die Lichtshow des Lichtkünstlers Gerry Hofstetter
Sponsoren












