Neue Kampfflugzeuge – Die grosse Podiumsdiskussion mit Bundesrätin Viola Amherd

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Air2030, News

Podium zur Armee-Flugzeugbeschaffung in Emmen

organisiert durch die AVIA – Gesellschaft der Offiziere der Luftwaffe

„Trauen Sie den Fachleuten“

Im fast voll besetzten Le Théâtre in Emmen wurde heftig über die Zukunft der Luftwaffe debattiert (Bild: Ahy).

430 Gäste – mit Maske – verfolgten am Samstagnachmittag die engagierten, teils auch emotionalen und mit viel Applaus bedachten Voten in Emmen. Vor dem Le Théâtre sorgten Gegner der Vorlage für Volkfeststimmung.

„Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen“ durfte ein zufriedener Valentin Gerig, OK-Chef und Vorstandsmitglied der AVIA – Gesellschaft der Offiziere der Luftwaffe, nach Abschluss des Events feststellen. Der grosse Publikumsaufmarsch und somit das Interesse an der Thematik waren in Emmen sehr gross. Im Theatersaal herrschte eine sehr engagierte Atmosphäre. Nach dem Begrüssungsvotum durch AVIA-Präsident Patrick Richter folgte die argumentative Auslegeordnung des Bundesrates durch VBS-Vorsteherin Viola Amherd. Angeregt durch den souveränen Moderator des Anlasses, Michael Weinmann (SRF Aktuell), riss die Bundesrätin in unmissverständlichen, aber auch emotionalen, teils auch mit Humor versetzten Voten das Publikum zu einem langen anhaltenden Applaus hin. Ihre Kompetenz als VBS-Chefin wurde Viola Amherd auch von erklärten Gegnerinnen der Vorlage im Rahmen des Podiums attestiert. Nationalrätin Priska Seiler Graf (SP, ZH) betonte mehrmals, dass es bei dieser Vorlage nicht um die Frage „Armee ja oder nein“ gehe, sondern um eine, in den Augen der Linken, zu teure Vorlage. Der SP-Vorschlag eines günstigeren Fliegers wurde aber insbesondere vom Kommandanten der Luftwaffe, Divisionär Bernhard Müller, der aus dem Publikum vom Moderator an das Mikrofon gerufen wurde, zerpflückt.

Etikettenschwindel

Nationalrätin Marionna Schlatter (Grüne, ZH) erinnerte daran, dass die Bedrohungen heute nicht aus der Luft, sondern unter anderem im Cyberspace lauern. Ihr Votum, dass auch die Grünen nicht fundamental gegen eine Luftpolizei seien, betitelte Ständerat Thierry Burkart (FDP, AG) aber als Etikettenschwindel. Für ihn sei klar, dass ein Referendum aus Kreisen der GSoA (Gruppe Schweiz ohne Armee) eigentlich immer das höhere, im Titel der Organisation enthaltene Ziel hat. Nationalrätin Yvette Estermann (SVP, LU) appellierte, an die Urne zu gehen und aufgrund der ersten positiven Umfrageergebnisse nicht träge zu werden. Offensichtlich ist sie überzeugt, dass eine hohe Stimmbeteiligung einem Ja zur Vorlage förderlich sein könnte. 

Vor sechs Jahren, bei der Abstimmung zur Gripen-Beschaffung, sass er noch im Gegner-Lager. Jetzt engagiert sich Nationalrat Beat Flach (GLP, AG) für die Flieger. Das Evaluationsprozedere sei bei dieser Vorlage korrekt verlaufen, man lege dem Volk ein Konzept und nicht einen umstrittenen Flieger zur Abstimmung vor. Das Argument der nicht möglichen Bestimmung des Flugzeugtyps konterte er mit dem Punkt, dass in jeder Gemeinde über eine neue Schule abgestimmt werde, ohne dass der Architekt schon bekannt sei. Zudem brauche es auch keine Plan B im Fall eines Neins, denn nach der verlorenen Gripen-Abstimmung sei die vor uns liegende Abstimmung bereits der Plan B. Er habe Vertrauen in die Fachleute des VBS. Vertrauen war auch das Schlüsselwort der Aussagen von Prof. Claude Nicollier, ESA Astronaut und ehemaliger Militärpilot. Er wurde vom VBS als externer Berater für die Beurteilung der Grundlagen der Flugzeugbeschaffung und des Evaluationsverfahrens engagiert. Das dafür erhaltene Honorar spendete er karitativ. Sein Votum: «Trauen sie den Fachleuten». Nicollier mahnte zudem, dass das Schweizer Volk über eine Sache befinde, die in den kommenden 40 Jahren die Landesverteidigung massgeblich prägen werde.

Beeindruckt von der direkten Demokratie

In gut hiesiger Manier wurde nach der heftigen Debatte wieder „Frieden geschlossen“, rund um eine Flasche Bier oder einem Glas Wein. Ganz Corona-konform dislozierte die grosse Gästeschar in verschiedene Räume von Le Théâtre zum Apéro. Colonel Arnaud Brunetta, französischer Militärattaché in der Schweiz, zeigte sich in diesem Rahmen tief beeindruckt von der Möglichkeit der Schweizer Bevölkerung, über eine solch wichtige Angelegenheit direkt befinden zu können. «J’aime la Suisse» meinte er in diesem Zusammenhang. Dieser Satz dürfte wohl das Verbindende aller Teilnehmenden an diesem interessanten und stimmungsvollen Podium in Emmen gewesen sein.

Interview-Anfragen an:

Oberst Patrick Richter, Zentralpräsident AVIA Luftwaffe
president@avia-luftwaffe.ch
Mobile 079 207 88 71

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