Air2030: Die Reaktionen auf den NKF-Entscheid, Fakten und das weitere Vorgehen

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Drei Monate nach dem Typenentscheid für das neue Kampfflugzeug sorgt das Thema noch immer für Gesprächsstoff in den Medien. Nicht zuletzt, weil die GSoA mit der Unterschriftensammlung zur Initiative «Stop F-35» begonnen hat. Einmal mehr kämpft die GSoA mit Argumenten basierend auf Annahmen, unvergleichbaren Vergleichen und Unwahrheiten. Fakt ist, der F-35A hat in der Evaluation mit Abstand am besten abgeschlossen und ist somit das richtige Flugzeug für die Schweizer Luftwaffe.

 

Bild 1: F-35 (Quelle: 700 F-35s: Advanced Capabilities to Win the High-end Fight (f35.com))

 

Der F-35 A in den Medien

Mehr als drei Monate ist es mittlerweile her, seit Viola Amherd verkündet hat, welches Kampfflugzeug die Schweizer Armee beschaffen wird. Ab 2030 soll der Schweizer Luftraum mit dem F-35A von Lockheed Martin kontrolliert, beschützt und verteidigt werden. Seither wird in den Medien heiss über den Entscheid diskutiert. Besonders die Unterhaltskosten des F-35A bieten Anlass für Gesprächsstoff.

Am 7. Juli 2021 veröffentlichte der parteipolitisch unabhängige Rechnungshof der USA (GAO) einen Bericht über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen im F-35-Programm der USA. Darin ist geschrieben, dass in den USA bis 2036 mit Mehrkosten zum Betrieb des F-35 von sechs Milliarden US-Dollar zu rechnen ist.

Auch für die GSoA, welche mit Unterstützung der SP und Grünen eine Initiative gegen den Typenentscheid lanciert, sind die angeblich untragbaren und unsicheren Unterhaltskosten des F-35A über die nächsten 30 Jahre ein Hauptgrund gegen den Kauf. 30 Milliarden soll das neue Kampflugzeug die Schweiz kosten, oder waren es 36, 25 oder 24 Milliarden? In diesem Punkt scheint sich die GSoA selbst nicht sicher zu sein. Während des Abstimmungskampfes 2020 waren es auf Basis einer Studie der kanadischen Regierung 24 Milliarden, im Headliner der aktuellen Kampagne steht 25 Milliarden, einige Zeilen weiter unter wird immer noch auf Basis der kanadischen Studie von 30 Milliarden und auf Instagram von 36 gesprochen. Im Evaluationsbericht steht aber ganz klar:

 


«Der F-35A erzielt sowohl bei den Beschaffungs- als auch bei den Betriebskosten das beste Resultat. Die Gesamtkosten für die Beschaffung und den Betrieb des F-35A über 30 Jahre betragen knapp 15,5 Milliarden Schweizer Franken, mindestens 2 Milliarden Franken weniger als bei den anderen Kandidaten. Das Vertragskonstrukt bei der Beschaffung des F-35A basiert auf Verträgen zwischen der Schweiz und der Regierung der Vereinigten Staaten (Foreign Military Sales, FMS).»

– Neues Kampfflugzeug, Kurzbericht Evaluation, armasuisse, 30.06.2021


 

Weder der Bericht des GAO noch die Offerte aus Kanada, welche der GSoA vorliegt, sind als Referenz für die Schweiz zu betrachten. Das Bundesamt für Rüstung armasuisse hat klargestellt:

 


  • «Die Offerten und die darin angebotenen Zahlen sind verbindlich. Dies betrifft sowohl die Beschaffungskosten wie auch die offerierten Betriebskosten, bei welchen wir über eine Offerte mit einer Laufzeit von zehn Betriebsjahren verfügen.»
  • «Darüber hinaus gilt, dass die Preise zwischen verschiedenen Staaten nicht verglichen werden können, weil nicht klar ist, welche Kosten jeweils eingerechnet oder nicht eingerechnet sind.»
  • «Das VBS beschafft die Flugzeuge via «Foreign Military Sales» (FMS) vom US-Staat zu denselben Konditionen, die er für sich selbst zur Anwendung bringt. Der US-Staat wiederum wickelt die Beschaffung über eigene Verträge mit den Firmen ab. In diesen Verträgen sind die Preise und die Vertragskonditionen verbindlich festgelegt und werden auch mittels einer strengen Aufsicht eingefordert. Käme es zu Kostenüberschreitungen, würde also der amerikanische Staat zu Gunsten der Schweiz beim Hersteller die Verbindlichkeit der Preise einfordern.»

«Wohl auch aufgrund dieser starken Käuferposition hat sich bei der über 40-jährigen Erfahrung der armasuisse bei der Abwicklung von FMS-Geschäften gezeigt, dass es in keinem der vielen Verträge zu Kostenüberschreitungen gekommen ist. Dies also deshalb, weil der US-Staat als gleichzeitiger Käufer und Verkäufer über eine rigide Kontrolle der Kosten verfolgt. Darüber hinaus ist auch die Teuerung in den USA im Angebot eingerechnet. Dabei musste der Anbieter im Rahmen der Evaluation bekannt geben, welche Teuerungsannahmen eingerechnet wurden. Werden die Kosten zum Beispiel aufgrund einer tieferen effektiven Teuerung geringer, so wirkt sich das zu Gunsten der Schweiz aus.»

– Richtig- und Klarstellungen, armasuisse und VBS, 11.07.2021


 

Zusätzlich zu beachten ist, dass Länder wie Holland, Grossbritannien, Italien oder Kanada Entwicklungspartner sind und sich daher mit einem bestimmten Prozentsatz an der Entwicklung des F-35 beteiligen. Bei einer Kostenüberschreitung kann dies den Einsatz des F-35 teurer machen. Die Schweiz hingegen, hat einen «normalen» Kaufvertrag abgeschlossen.

Andere Europäische Länder sind mit dem Kauf des F-35A äusserst zufrieden, wie der Bericht von Bluewin vom 8. Juli 2021 zeigt:

«Der Preis ist deutlich niedriger ausgefallen, als wir kalkuliert haben» (bluewin.ch)

Markus Gygax, ehemaliger Kampfpilot und Kommandant der Schweizer Luftwaffe, wundert sich, dass der Typenentscheid für das neue Kampfflugzeug so umstritten ist. «Wir leben in Frieden. Daher unterschätzt man die Rolle der Luftwaffe», wie er in einem Interview vom 20. September 2021 zur Zeitschrift «Nebelspalter» sagte.

Video 1: Das Interview von Markus Gygax mit dem «Nebelspalter» (Quelle: Markus Gygax: „Wir leben in Frieden. Daher unterschätzt man die Rolle der Luftwaffe“ (nebelspalter.ch))

 

Fakten zum F-35A

Von dem F-35 gibt es drei Typen:

Typ A: Ausgelegt für konventionelle Start- und Landebahnen. Die Schweiz plant 36 Stück des F-35A zu kaufen.

Typ B: Kann senkrecht landen und in sehr kurzer Distanz starten. Dies ermöglicht den Einsatz auf entlegenen Stützpunkten mit kurzem Flugfeld und auf diversen Schiffen.

Typ C: Speziell für den Einsatz auf Flugzeugträgern.

Der F-35 ist das einzige Flugzeug der fünften Generation, welches durch die armasuisse evaluiert wurde. Besonders in folgenden Bereichen ist der F-35 anderen vergleichbaren Kampfflugzeugen überlegen:

  • „Sensor fusion“ verbindet die Informationen der verschiedenen Systeme, erhöht dadurch die Übersicht des Piloten und hilft Missionen effizient zu erfüllen.
  • Austausch einer grossen Menge von Daten in kürzester Zeit
  • Bereitstellen von Informationen zur Beschleunigung kritischer Entscheide
  • Die Stealth-Eigenschaft erhöht die Wirksamkeit und Überlebensfähigkeit
  • Kosten-/ Leistungsverhältnis
  • Unzählige Partnerschaften weltweit senken die Kosten
  • Verbesserte elektronische Kampfführung
  • Fortschrittliche Sensoren
  • Ausgelegt für die Zusammenarbeit mit unbemannten Luftfahrzeugen und anderen Systemen
  • Verfügbarkeit von Updates und Ersatzteilen über die nächsten 30 Jahre

Besonders die letzten drei Punkte, tragen dazu bei, dass das Flugzeug für die Bedrohungen von Morgen geschaffen ist – seien dies Cyber-, Drohnen- oder Luft-Luft- sowie Boden-Luftangriffe aller Art.

Die tiefen Kosten und die Verfügbarkeit von Updates und Ersatzteilen über die nächsten 30 Jahre lässt sich durch die grosse Anzahl an verkauften Flugzeugen und Kunden erklären. Bis heute wurden über 700 Flugzeuge verkauft, womit über 1’460 Pilotinnen und Piloten bereits über 430’000 Flugstunden geflogen sind. Neun Länder verteidigen aktuell ihren Luftraum mit dem F-35, darunter Italien, Norwegen, Holland oder Israel. Weitere sechs Länder haben den F-35 bestellt.

Bild 2: F-35 in der Herstellung (Quelle: Pentagon and Lockheed Martin Agree to F-35 Production Rebase (f35.com))

Steckbrief

Länge 15.7 m Standard-Waffenladung

–  25 mm GAU-22/A cannon

–  Two AIM-120C/D air-to-air missiles

–  Two 2,000-pound GBU-31 JDAM guided bombs

Antrieb

–  F135-PW-100

–  40,000 lb Max

–  25,000 lb Mil

 

Höhe 4.38 m
Flügelspannweite 10.7 m
Flügelfläche 42.7 m2
Leergewicht 13.29 t
Treibstoffkapazität 8’278 kg
Maximales Gewicht 31.75 t
Geschwindigkeit 1.6

= 1930

Mach

km/h

Kampf-Radius 1’093 km
Range 2’200 km
Maximale G-Kräfte 9.0

 

Das weitere Vorgehen

Sollte keine Initiative gegen den Typenentscheid zustande kommen, wird das weitere Vorgehen wie folgt aussehen:

Tabelle 1: Planungsabsicht NKF und Bodluv GR. AB22: Armeebotschaft 2022 (Quelle: Vortrag von Oberst i Gst Peter Merz in Zürich, 2020)

Sollte es tatsächlich zu einer Volksinitiative kommen, verzögert sich der Zeitplan um ca. zwei Jahre.

In unserem Bericht «Air2030: Armasuisse hat zweite Offerte für die neuen Kampfflugzeuge und für die bodengestützten Luftverteidigungssysteme erhalten» ist das Evaluationsverfahren und das weitere Vorgehen im Detail beschrieben.

 

 

Quellen:

Neues Kampfflugzeug, Kurzbericht Evaluation, armasuisse, 30.06.2021 Kurzbericht Evaluation Neues Kampfflugzeug (admin.ch)

 

Richtig- und Klarstellungen, armasuisse und VBS, 11.07.2021 Richtig- und Klarstellungen (admin.ch)

Entwicklungspartner oder Kaufvertrag https://de.wikipedia.org/wiki/Lockheed_Martin_F-35

 

Fakten zum F-35 A About the F-35 (f35.com)

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